Quo vadis Blauzunge?


Diese Frage bekommen wir derzeit öfter gestellt.
Leider können auch wir darauf keine genaue Antwort geben. Was wir aber tun können ist, Ihnen als Tierhalter einen kurzen Überblick über die aktuellen Fakten zu geben.

Bis Dezember 2018 galt Deutschland als frei von Blauzunge, auch Blue tongue genannt. Bei einer Routineblutprobenuntersuchung in Baden-Württemberg wurde bei zwei Rindern eine Infektion mit dem Virus festgestellt. Die beiden Rinder zeigten aber keinerlei klinische Symptome! Es handelt sich dabei um das Serovar 8 (Ein Serovar ist quasi eine Spielart des Virus).

Daraufhin wurde ein Beobachtungsgebiet im Radius von 150 km eingerichtet (https://www.fli.de/de/aktuelles/tierseuchengeschehen/blauzungenkrankheit/) . Diese Karte zeigt  wie sich die Ausbrüche von BT seit 2015 entwickelt haben.  Aus diesem Gebiet dürfen Tiere nur nach vorheriger Untersuchung oder Impfung verbracht werden.

Im Zuge der Überwachung wurden bis zum 18.01.2019 weitere Tiere positiv auf Blauzunge getestet. Keines davon hatte klinische Symptome! 

Fakt ist der Erreger der Blauzunge ist hier. Wie stark ein Krankheitsverlauf bei einer Infektion ausfällt, ist ungewiss. Bisherige Daten aus den Ausbruchsgebieten in Frankreich und Österreich zeigen teils nur schwach ausgeprägte Krankheitsbilder. Was aber lange keine Garantie ist! Eine kleine Veränderung des Virus und die Symptome und Verläufe sehen völlig anders aus!

Was ist nun nochmal genau die Blauzungenkrankheit?

Bei ihr handelt es sich um eine anzeigepflichtige Viruserkrankung, die vor allem Schafe, Rinder, Ziegen, Neuweltkameliden und Wildwiederkäuer befällt. Für den Menschen besteht keine Gefahr.

Der Erreger ist in mindestens 26 verschiedenen Serotypen (quasi Varianten) bekannt. 

Übertragen wird das Virus von Mücken der Gattung Culicoides (Gnitzen).



Quelle:  https://de.wikipedia.org/wiki/Culicoides







Deshalb kommt es gehäuft in der warmen Zeit zu Ausbrüchen der Krankheit, weil die Gnitzen bestimmte Temperaturen für ihre Fortpflanzung und Aktivität bevorzugen. Gerne sind die Mücken dann  in der Dämmerung und in offenem Gelände unterwegs. 

Symptome der Erkrankung können Fieber, Apathie, Fressunlust, Lahmheiten und Aborte sein. Die Schleimhäute, im Besonderen die der Maulhöhle schwellen stark an und es kann zu deutlichem Speichelfluss kommen. Auch kann die Euterhaut betroffen sein.  Eine Blaufärbung der Zunge tritt nur selten auf.

Eine Infektion mit dem BT-Virus kann tödlich verlaufen, kann aber auch ausheilen.  Bei kleinen Wiederkäuern verläuft die Erkrankung oft schlimmer als bei Rindern. 

Was kann man als Tierhalter nun tun?

Zurzeit ist in unseren Breiten (Saarland) nur die Variante BTV 8 nachweisbar.  In Österreich sind bereits Fälle der Variante BTV 4 bekannt.

Gegen BTV 8 stehen mehrere getestete Impfstoffe zur Verfügung. Eine Impfung kann ein Tier am effektivsten schützen. Dazu ist je nach Impfstoff eine 2xmalige Impfung im Abstand von 3-4 Wochen notwendig.  

Gegen BTV 4 werden Impfstoffe voraussichtlich ab Anfang März zur Verfügung stehen. Eventuell in kombinierter Form (BTV 4/8).

Eine Impfung gegen BTV 8 schützt nicht gegen BTV 4.

Eine Behandlung mit Fliegenschutz o.ä.  kann keinen hundertprozentigen Schutz bieten.  Es senkt aber auf jeden Fall das Stresslevel der Tiere, dadurch dass sie weniger von Plagegeistern belästigt werden. Berichte aus den Balkanländern zeigen, dass durch den Einsatz dieser Mittel  die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Virus lediglich verzögert werden kann. 

Milchkuhhalter, die Montagskälber verkaufen oder anderweitig am Tierhandel teilhaben möchten, dürfen nach aktueller Lage ab 01.03.2019 nur noch Kälber von geimpften Müttern, die auch das Kolostrum dieser geimpften Kuh erhalten haben, oder geimpfte Tiere aus dem Sperrgebiet heraus verkaufen. 


Zusammengefasst lässt sich feststellen:

  • Blauzunge ist da, ob sie wieder weg geht oder nicht weiß niemand.
  • Klinik der positiv getesteten Tiere in Deutschland: Derzeit KEINE!
  • Eine Impfung ist die einzig effektive Schutzmöglichkeit.
  • Fliegenschutz o.ä.  bietet keinen hundertprozentigen Schutz!
  • Es gilt: Ruhe bewahren, Fakten abwägen, dann entscheiden!


Bei allen Fragen rund um Blauzunge geben wir Ihnen gerne auch telefonisch oder persönlich vor Ort Auskunft! 

Sprechen Sie uns an! Zu Risiken und Nebenwirkungen der Impfung fragen Sie gerne Ihren Tierarzt!